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Inhalte eines Sicherheitskonzeptes

Die Sicherheit bei Veranstaltungen rückte in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus von VeranstalterInnen, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, aber auch von VeranstaltungsbesucherInnen selbst. Das wohl zentralste Dokument im Zuge der Sicherheitsplanung ist das mit den Behörden und Einsatzkräften abgestimmte Sicherheitskonzept. Dieser Beitrag behandelt die (Hinter)Gründe für die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes sowie die zu berücksichtigenden Inhalte und Methoden desselben.

 

Das Sicherheitskonzept von Veranstaltungen wird im Regelfall nach Aufforderung durch die Behörde vom Veranstalter / von der Veranstalterin erstellt (bzw. in Auftrag gegeben). Aber auch ohne Auftrag von Seiten der Behörde macht die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes rein aus haftungstechnischen Überlegungen Sinn. Als Beispiel sei hier z.B. die Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht genannt. Diese besagt, dass jede Veranstalterin bzw. jeder Veranstalter angemessene Vorkehrungen zum Schutz von jenen Personen treffen muss, deren Rechtsgüter durch eine Veranstaltung verletzt werden können. Verkehrssicherungspflichten setzen keine Vertragsbeziehung zwischen eventuell geschädigten Personen und dem/der VeranstalterIn voraus (es wird jedoch zwischen Vertragshaftung und deliktischer Haftung unterschieden) und bedürfen einer aktiven Handlungspflicht.

 

Reduzierung des Haftungsrisikos mithilfe eines Sicherheitskonzeptes

Kommt es nun im Rahmen einer Veranstaltung zu einem Schaden so sind im wesentlichen zwei Fragen zu klären:

  • Hätte es geeignete Maßnahmen gegeben, um den Schaden zu verhinden?
  • Wäre eine solche Maßnahme dem/der VeranstalterIn zumutbar gewesen?

Sind beide Fragen mit einem „ja“ zu beantworten (was ohne bzw. mit einem schlechtem Sicherheitskonzept leicht der Fall sein kann) ergeben sich haftungsbegründete Folgen für die Veranstalterin bzw. den Veranstalter.

Was nun als zumutbar gilt und was nicht ist von der jeweiligen Veranstaltung abhängig und pro Gefahr individuell zu betrachten. Aus diesem Grunde nimmt die Risikobeurteilung im Zuge der Sicherheitskonzeptes einen zentralen Stellenwert ein und sollte von Personen mit

  • methodischen Kenntnissen (welche Art der Risikoidentifikation ist anzuwenden?),
  • statistischen Kenntnissen (wie können Eintrittswahrscheinlichkeiten berechnet werden?)
  • einer adäquaten Ausbildung und
  • entsprechender Erfahrung

durchgeführt werden.

Eine richtig durchgeführte Risikobeurteilung hilft darüber hinaus, die im Regelfall begrenzten monetären Ressourcen auf tatsächliche Risiken auszurichten und nicht auf subjektiv übertriebene Gefahren.

Stichwort Terrorismus: Wussten Sie, dass in Österreich (und Deutschland) in den letzten 20 Jahren mehr Personen bei Veranstaltungen durch fehlgeleitete Personenströme ums Leben gekommen sind als insgesamt durch islamistisch-terroristische Anschläge? Dennoch werden aktuell große finanzielle und zeitliche Ressourcen in die „Terrorabwehr“ und nicht in ein adäquates Flächendesign, Durchflussanalysen, etc. (kurzum: Crowd Management) investiert. Der diesbezügliche Terminus nennt sich „neglect of probability“, die Vernachlässigung der Wahrscheinlichkeit, welche in ihrer Konsequenz zu Entscheidungsfehlern führt (z.B. bedeutet mehr Security-Personal nicht automatisch mehr Sicherheit).

 

Inhalte des Sicherheitskonzeptes

Die Inhalte eines Sicherheitskonzeptes sind gesetzlich nicht vorgegeben, die folgenden (nicht taxativen) Elemente sind jedoch als Wesentlich zu betrachten und sollten dargestellt werden:

  • Beschreibung der Veranstaltung (inkl. Aufbauten, Infrastruktur, Verkehr, TeilnehmerInnenprofil, etc.)
  • Benennung der Schutzziele (was soll geschützt werden?)
  • Risikoidentifikation, -analyse und -bewertung für Risiken, die mit der Veranstaltung zusammenhängen und daraus ableitend die
  • Bewältigungsmaßnahmen (z.B. Maßnahmen zur Reduzierung der Eintrittswahrscheinlichkeit und/oder zur Reduzierung des Schadenausmaßes)
  • Darstellung der Aufbauorganisation inkl. Entscheidungsbefugnisse und ein Kommunikationskonzept (intern/extern) für Normal- und Notfälle (bei größeren Veranstaltungen auch hinsichtlich einer interorganisationalen Zusammenarbeit mit Behörde und Einsatzorganisationen)

Beschreibung der Veranstaltung

Neben Standardbeschreibungen wie z.B. Titel, Datum, VeranstalterIn, Aufbau, Abbau, Ort, etc. werden in diesem Abschnitt auch Angaben zur inhaltlichen Idee, dem zeitlichem Ablauf, das zu erwartende TeilnehmerInnenprofil (erwartete BesucherInnenzahlen, maximal zulässige BesucherInnenzahl, demographische Merkmale, Alkoholkonsum und andere Berauschungsmittel, erwartete Reisemittel, mögliche Besucherrivalitäten, etc.), Infrastruktur (Bühne, Technik, Backstage, Verkaufsstände, Aufbauten, Flächen für Einsatzorganisationen, etc.), Absperrungen, Strom- und Notstromversorgung, Zu- und Abfahrtswege für Einsatzorganisationen, Flucht- und Rettungswege für BesucherInnen und MitarbeiterInnen, etc. erörtert.

Benennung der Schutzziele

Bei der Bennung der Schutzziele wird definiert was (Mensch, Prozesse, Umwelt, Reputation, etc.) geschützt werden soll. Im Zuge von Veranstaltungen ist die körperliche Unversehrtheit von Personen zwingend notwendig, was oft zu dem Standardschutzziel „Körperliche Unversehrtheit von VeranstaltungsbesucherInnen“ führt. Nachdem hier keine 100 %ige Unversehrtheit garantiert werden kann, muss im nächsten Schritt das Schutzziel quantifiziert werden („wie viele verletzte oder erkrankte Personen können in welchem Ausmaß toleriert werden?“). Darüber hinaus kann auch festgelegt werden, dass bestimmte Handlungen, Verletzungen oder Erkrankungen überhaupt nicht toleriert werden (z.B. Alkoholkonsum bei Kinderveranstaltung). Neben obig genanntem Schutzziel sind auch noch weitere Schutzziele denkbar und zielführend (z.B. Vermeidung hoher Personendichten, Vermeidung von Kompetenzüberschneidungen und -vakuen, etc.).

Risikoidentifikation, -analyse und -bewertung

Wie bereits weiter oben beschrieben ist die Risikobeurteilung (bestehend aus Risikoidentifikation, -analyse und -bewertung) das Herzstück eines jeden guten Sicherheitskonzeptes.

Die Risiken, die mit einer Veranstaltung einhergehen sind mannigfaltig. So gilt es beispielsweise strukturelle, technische und organisatorische Gefahrenquellen zu (er)kennen aber auch jene Risiken, die aus dem ZuseherInnenverhalten selbst resultieren, zu berücksichtigen (Achtung: Wenn ein bestimmtes (unerlaubtes) Verhalten von BesucherInnen zu erwarten ist, so sollten vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden da andernfalls eine Haftung für VeranstalterInnen eintreten könnte). Um die Sicherheit der BesucherInnen und mitwirkender Personen bestmöglichst zu gewährleisten, ist eine möglichst holistische Risikoidentifikation, basierend auf den definierten Schutzzielen, durchzuführen. Nur identifizierte Risiken können im Weiteren analysiert, bewertet und mit einer entsprechenden Bewältigungsstrategie versehen werden.

Risikoidentifikation

Die Risikoidentifikation dient dem Ziel, Risiken zu finden, zu erkennen und zu beschreiben. Hierbei dürfen dynamische Risiken, die aus Personenströmen während der drei Veranstaltungsphasen (Einlass, Zirkulation, Abstrom) bzw. fünf Veranstaltungsphasen (Anreise, Einlass, Zirkulation, Abstrom, Abreise) resultieren nicht außer Acht gelassen werden. Zur generellen Risikoidentifikation werden Kollektionsverfahren sowie weitere Verfahren (z.B. Szenarioanalyse, Stresstest) herangezogen.

Risikoanalyse und -bewertung

Jede identifizierte Gefahr wird im Zuge der Analyse mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit und einem Schadenausmaß bewertet. Die Quantifizierung dieser beiden Werte erfolgt in der Praxis durch empirische Daten und persönliche Erfahrungswerte.

Hierbei ergibt sich die Problematik, dass nicht für alle Gefahren belastbares Zahlenmaterial vorliegt. Während für wettertechnische Risiken statistische Daten (z.B. Blitzdichte, Windgeschwindigkeiten) herangezogen werden können, stellt sich die Situation für spezifische Veranstaltungsrisiken anders dar. So ergibt sich z.B. die Schwierigkeit, das Risiko „hoher Druck vor der Bühne“ mit einer entsprechenden Eintrittswahrscheinlichkeit zu bewerten.

Es ist daher erforderlich auf professionelle PlanerInnen zurückzugreifen, die eine permanente Beobachtung der Risiken in einem ähnlichen Veranstaltungsumfeld (z.B. Künstlerprofil, Besucherprofil, Planung von Barrikaden) vornehmen, vergangene Eventtragödien analysieren (um aus den Fehlern zu lernen) und eine entsprechende Bewertung (inkl. benötigter Maßnahmen) durchführen können.

Das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenausmaß ergibt die Risikohöhe. Im Weiteren wird die Risikohöhe den vorab definierten Toleranzgrenzen gegenübergestellt. In der Praxis erfolgt dies über die Darstellung an Hand einer Risikomatrix (untenstehend ein Beispiel einer dreistufigen Risikomatrix).

 

Abbildung 1: Risikomatrix

 

Sofern sich ein Risiko im roten Bereich (inakzeptables Risiko) befindet, muss dieses zwingend reduziert werden (gelber Bereich). Ist dies nicht möglich, gilt als einzig mögliche Bewältigungsstrategie, diese Aktivität nicht durchzuführen. Risiken im gelben Bereich (akzeptables Risiko mit Abwehrmaßnahmen) bedürfen einer Maßnahmenentwicklung, -implementierung und -überwachung. Risiken im grünem Bereich (akzeptables Risiko) können von der Veranstalterin bzw. dem Veranstalter akzeptiert werden.

Bewältigungsmaßnahmen

Um Risiken zu bewältigen werden Maßnahmen entwickelt um die Eintrittswahrscheinlichkeit und/oder das Schadenausmaß zu reduzieren.

Abbildung 2: Reduktion der Eintrittswahrscheinlichkeit und des Schadenausmaßes

 

Handelt es sich um präventive Maßnahmen zur Reduktion der Eintrittswahrscheinlichkeit, so finden diese Einzug in das Sicherheitskonzept. Risiken, die akzeptiert werden und deren Eintrittswahrscheinlichkeit nicht bzw. nicht ausreichend reduziert werden können (d.h. es kann „nur“ mehr das Schadenausmaß begrenzt werden wie z.B. bei Unwetter bei Outdoorveranstaltungen) werden einer Szenarioanalyse unterzogen. Diese Methode zeigt Anfälligkeiten auf und ermöglicht die strukturierte Abarbeitung eines potentiellen Notfalles. Die gebündelten Maßnahmen finden sich in den Notfall- oder Krisenplänen wieder, welche das Ziel haben, bei Schadenereignissen schnell und richtig zu reagieren.

Im Notfall ist Zeit eine kritische Dimension. Im Anlassfall kann (bzw. darf) nicht mehr über Vorgehensweisen bzw. Zuständigkeiten nachgedacht oder gar diskutiert werden. Es sind daher bereits im Vorfeld die einzelnen Organisationen mit jeweiligen Aufgabenbeschreibungen und Verantwortlichkeiten darzustellen sowie die planerischen Tätigkeiten für das Entgegenwirken von potentiellen Gefährdungen zu verschriftlichen.  Im Mittelpunkt stehen hierbei die Alarmierung, das strukturierte und prozessorientierte Arbeiten des Notfall- bzw. Krisenmanagements inklusive benötigter Entscheidungsbefugnisse und der externen Kommunikation.

 

Zusammenfassung

Das Sicherheitskonzept hilft, die Sicherheit von BesucherInnen und MitarbeiterInnen zu erhöhen. Ebenso kann dieses, bei sorgfältiger Planung und Dokumentation, Haftungen von VeranstalterInnen reduzieren. Für die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes bedarf es fundiertes Wissen hinsichtlich Risikomanagement, Crowd Management und Notfallplanung sowie psychologisches Grundlagenwissen (wie verhalten sich Menschen im Notfall? -> kleiner Hinweis: nicht panisch) weshalb auf fachkundiges Personal zu achten ist und ausreichend Zeit eingeplant werden sollte.

 

Über den Autor

 

Martin Bardy siflux

Martin Bardy MA, BEd, BA, MBA ist selbstständiger Unternehmensberater für Veranstaltungssicherheit (siflux) und erstellt für Agenturen, VeranstalterInnen, SicherheitsdienstleiterInnen, Venue-BetreiberInnen, etc. Sicherheitskonzepte, Crowd Management PläneNotfallpläne, Personenstromsimulationen und agiert als Sicherheitsberater gemäß ÖNORM EN 13200-8. Er absolvierte das Studium „Crowd Safety Management“ an der Buckinghamshire University (UK) mit der höchsten Auszeichnung „First-class honours“ als Jahrgangsbester. Seit 2014 lehrt er an verschiedenen Universitäten, Fachhochschulen und privaten Institutionen zu den Themen Veranstaltungssicherheit / Crowd Management. Darüber hinaus entwickelte und leitet er den universitären Lehrgang „Crowd Safety Management, CP“ an der Donau-Universität Krems.

 

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