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Veranstaltungssicherheit kostet Geld – Unsicherheit kann noch teurer kommen

Die Sicherheit von VeranstaltungsbesucherInnen kostet Geld. Sei es nun für die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes, der Umsetzung von Maßnahmen oder der personellen Besetzungen vor Ort. Ziel dieser Tätigkeiten ist es, die Sicherheit zu erhöhen oder anders gesagt: die Verletzungsgefahr von BesucherInnen zu reduzieren. Dies erfolgt zum einem aus ethischer Verantwortung, zum anderen aus Eigenschutz. Jeder Personenschaden bei einer Veranstaltung kann für den/die VeranstalterIn zu hohen Schadenersatzzahlungen führen. Der Eintritt eines Personenschadens kann daher einen maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit Ihrer Veranstaltung haben.

Wann VeranstalterInnen haften

Als VeranstalterIn haben Sie, abgesehen von der ethischen Verpflichtung, auch eine gesetzliche Verpflichtung sich um die Sicherheit Ihrer BesucherInnen zu kümmern (Schutzpflichten). D.h. Sie müssen angemessene Vorkehrungen zum Schutz all jener Personen treffen, deren Rechtsgüter durch Ihre Veranstaltung verletzt werden können. Hierbei müssen Sie nicht jede erdenkliche Gefahr für Leben und Gesundheit berücksichtigen, jedoch jene konkrete Gefahren, die tatsächlich auf ein zumutbares Ausmaß reduziert werden können.

Ebenso ist in diesem Zusammenhang auf die Dokumentation der Maßnahmen zu achten. Es besteht zwar prinzipiell keine Dokumentationspflicht, je konkreter Sie jedoch nachweisen können, dass Sie alles Zumutbare unternommen haben um vorhersehbare Gefahrenquellen zu beseitigen, desto eher wird es Ihnen gelingen, eine Haftung zu vermeiden. Aus diesem Grunde ist auf eine detaillierte und nachvollziehbare Risikobeurteilung, -bewältigung und Darstellung der Maßnahmen im Zuge der Erstellung des Sicherheitskonzeptes zu achten.

Die alleinige Einhaltung von Veranstaltungsgesetzen, Bewilligungen und Auflagen befreit Sie übrigens nicht von Haftungen. Diese stellen lediglich das anzusetzende Mindestmaß an Sorgfalt dar.

Aus obig erwähnten Pflichten ergibt sich für Sie eine aktive Handlungspflicht die im Falle der Unterlassung zu Schadenersatzverpflichtungen führen kann.

Was Personenschäden kosten

Wenn ein Personenschaden bei Ihrer Veranstaltung eintritt müssen Sie, sofern Sie die gebotene Sorgfalt (siehe oben) außer Acht gelassen haben, die geschädigte Person so stellen, wie diese/r ohne das schädigende Ereignis stehen würde. § 1325 ABGB besagt

„Wer jemanden an seinem Körper verletzt, bestreitet die Heilungskosten des Verletzten; ersetzet ihm den entgangenen, oder wenn der Beschädigte zum Erwerb unfähig wird, auch den künftig entgehenden Verdienst und bezahlt ihm auf Verlangen überdies ein den erhobenen Umständen angemessenes Schmerzengeld“.

Heilungskosten und Verdienstentgang sind individuell zu bemessen und können daher an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Die Höhe des Schmerzengeldes wird in Österreich in der Regel in Tagessätzen bemessen. Für eine grobe Orientierung können die folgenden Beträge herangezogen werden:

  • leichte Schmerzen: € 100 – 110 pro Tag
  • mittlere Schmerzen: € 200 – 220 pro Tag
  • schwere Schmerzen: € 300 – 330 pro Tag

Diese Beträge erlauben eine erste grobe Orientierung, welche Höhe des Schmerzengeldes zu erwarten ist. Zur besseren Einschätzung werden untenstehend vergangene Schmerzengeldbemessungen in Österreich dargestellt. Dies erlaubt eine grobe Zuordnung von Verletzungsausmaß und dem jeweilig zugesprochenem Schmerzengeld.*

*Die dargestellten Beträge sind nicht inflationsbereinigt und können daher heute entsprechend höher ausfallen. So hat z.B. der Oberste Gerichtshof im Jahr 2011 das bisherig höchste zugesprochene Schmerzengeld, basierend auf dem Verbraucherpreisindex, von € 218.000 auf € 266.000 erhöht (3 Ob 128/11 m).

  • Brustkorbprellung: € 100 – € 799
  • Rissquetschwunden im Gesicht, Hautabschürfungen: € 654
  • Nervenverletzung im Bereich der Zunge: € 1.000
  • Verlust eines Zahnes und Verletzung im Bereich der Lippe: € 1.700
  • Bruch des Brustbeines, leichte Zerrung der Halswirbelsäule: € 3.500
  • Schmerzhafte Augenverletzung, beidseitiger Tinnitus: € 4.000,-
  • Prellungen von Schädel, Hals und Schulter: € 4.070
  • Bruch zweier Rippen und Schürfwunden: € 4.500
  • Bruch des Außenknöchels: € 7.800
  • Schienbeinimpressionsbruch: € 9.738
  • Komplizierter Bruch des Sprunggelenks mit bleibendem Streckdefizit des Knöchelgelenks: € 12.500
  • Kniegelenksverletzung: € 14.000
  • Bruch des Schulterblattes, chronische Beschwerden an Ellbogengelenk infolge der Prellungs- oder Stauchungsverletzungen: € 14.600
  • Verrenkung der Schulter mit Rotatorenmanschettenruptur und Zerrung des Sprunggelenks: € 20.000
  • Offener Unterschenkelbruch, Oberschenkelbruch: € 26.889
  • Trauma des rechten Beins mit Brüchen und Kniegelenksverletzung: € 38.000
  • Offener Schienbeinbruch, Verletzung innerer Organe, schwerste Schädel-Gehirnverletzungen, die eine erhebliche Behinderung zur Folge haben: € 130.000

Aus der Betrachtung der obigen Zahlen kann schlussgefolgert werden, dass, bei Eintreten eines Personenschadens bei einer Veranstaltung, empfindliche Schadenersatzzahlungen möglich sind. Darüber hinaus ist zu beachten, dass sich obige Zahlen auf einen Betrag pro Person beziehen. Im Zuge einer Veranstaltung betrifft eine Gefahr jedoch üblicherweise eine Vielzahl an Personen. Untenstehend eine (sehr kurze) Auflistung an vergangenen Eventtragödien mit einer Vielzahl an verletzten und leider getöteten Personen:

  • Hillsborough (UK): 94 getötete und 766 verletzte Personen
  • Innsbruck (A): 5 getötete und 5 verletzte Personen
  • Duisburg (D): 21 getötete und 541 verletzte Personen
  • Shanghai (CN): 36 getötete und mehr als 40 verletzte Personen
  • Lorne (AUS): 80 verletzte Personen
  • Turin (ITA): 1 getötete und 1.526 (!) verletze Personen

Für die Darstellung der möglichen Höhe an Schadenersatzverpflichtungen sei an dieser Stelle exemplarisch das Veranstaltungsunglück in Innsbruck mit 5 getöteten und 5 verletzten Personen herangezogen. In diesem Fall wurden insgesamt € 10.833.619,88 an Schadenersatzzahlungen geleistet (OGH, 2006).

Zusammenfassung

Personenschäden bei Veranstaltungen können empfindliche Schadenersatzzahlungen für VeranstalterInnen nach sich ziehen. Um einer eventuellen Haftung zu entgehen sollten VeranstalterInnen angemessene Schutzvorkehrungen treffen und diese dokumentieren. Ein hierfür geeignetes Dokument ist das individuell erstellte Sicherheitskonzept (und die Umsetzung der darin beschriebenen Maßnahmen).

Zum Autor

Martin Bardy sifluxMartin Bardy MA, BEd, BA, MBA ist selbstständiger Unternehmensberater für Veranstaltungssicherheit (siflux) und erstellt für Agenturen, VeranstalterInnen, SicherheitsdienstleiterInnen, Venue-BetreiberInnen, etc. Sicherheitskonzepte, Crowd Management PläneNotfallpläne, Personenstromsimulationen und agiert als Sicherheitsberater gemäß ÖNORM EN 13200-8. Er absolvierte das Studium „Crowd Safety Management“ an der Buckinghamshire University (UK) mit der höchsten Auszeichnung „First-class honours“ als Jahrgangsbester. Seit 2014 lehrt er an verschiedenen Universitäten, Fachhochschulen und privaten Institutionen zu den Themen Veranstaltungssicherheit / Crowd Management. Darüber hinaus entwickelte und leitet er den universitären Lehrgang „Crowd Safety Management, CP“ an der Donau-Universität Krems.

 

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Hinweis: Die Informationen zu obigem Beitrag wurden gewissenhaft zusammengetragen und interpretiert. Dennoch möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich kein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen habe.

 

Literaturverzeichnis

OGH (2006). Bundeskanleramt Rechtsinformationssystem. Von https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Justiz&Dokumentnummer=JJT_20060307_OGH0002_0010OB00012_06F0000_000 abgerufen

Schwimann & Kodek. (2016). ABGB Praxiskommentar Band 6 §§ 1293-1503 ABGB. Wien: LexisNexis Österreich.