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Crowd Management

Was ist Crowd Management?

Crowd Management. Der Begriff klingt nach Megafon und Menschenmasse. Tatsächlich ist es das Gegenteil: eine Planungsdisziplin, die längst im österreichischen Veranstaltungsrecht angekommen ist, ohne dass sie im Gesetzestext immer so genannt wird.

Dieser Artikel erklärt, was Crowd Management ist - und was es ausdrücklich nicht ist. Er grenzt die drei oft synonym verwendeten Begriffe Crowd Safety Management, Crowd Management und Crowd Control voneinander ab, zeigt, wo das Thema im österreichischen Recht steht, und erklärt, warum gute Planung im Vorfeld den Bedarf an reaktiven Maßnahmen vor Ort reduzieren kann.

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Definitionen - die drei Begriffe auf einen Blick

Crowd Safety Management - die übergeordnete Disziplin, die Planung, Durchführung und reaktive Maßnahmen umfasst - mit klarem Vorrang der präventiven Planung (Safety vor Security).

Bezeichnung der Disziplin. Charakter durch Cabinet Office (2009) und Sime (1995).

Crowd Management - die systematische Planung sowie Beobachtung und Steuerung geordneter Bewegungen und Ansammlungen von Menschen.

Fruin (1993/2002), wörtlich übernommen unter anderem in ANSI ES1.9-2020. Anerkannt durch die UK Crowd Management Association (UKCMA).

Crowd Control - die Einschränkung oder Begrenzung von Gruppenverhalten. Kann geplanter Teil eines Crowd Management Plans sein oder ungeplante Reaktion auf eine bereits entstandene Problemsituation.

Fruin (1993/2002); ANSI ES1.9-2020, Section 2.4: „Crowd control is what one tries to regain when the crowd management plan has been unsuccessful.“

Crowd Safety Management, Crowd Management und Crowd Control - die saubere Trennung

Im deutschsprachigen Sprachgebrauch werden die drei Begriffe oft synonym verwendet. In der Fachliteratur sind sie es nicht. Die wichtigste Trennung ist die zwischen Crowd Management und Crowd Control:

„Although the terms crowd management and crowd control are often used interchangeably, there are important differences. Crowd management is defined as the systematic planning for, and supervision of, the orderly movement and assembly of people. … Crowd control is the restriction or limitation of group behavior. Crowd control may be part of a crowd management plan, or occur as an unplanned reaction to a group problem.“

Fruin, J. J. (2002). The Causes and Prevention of Crowd Disasters. Ursprünglich First International Conference on Engineering for Crowd Safety, London 1993.

Der amerikanische Fußgängerforscher John J. Fruin hat diese Trennung 1993 formuliert. Sie ist heute internationaler Standard und wird unter anderem von der UK Crowd Management Association (UKCMA) und im US-amerikanischen ANSI-Standard E1.9-2020 wörtlich übernommen. Auch der einflussreiche britische Cabinet-Office-Bericht folgt dieser Logik:

„Crowd management is preferable to crowd control - prevention is better than cure. Ensure management is well-planned and well-organised, in order to anticipate and prevent - or quickly resolve - problems. Try to use crowd control methods only as a last resort.“

Cabinet Office (2009). Understanding Crowd Behaviours: Guidance and Lessons Identified. S. 12, Guideline 2. Challenger, Clegg & Robinson, Emergency Planning College.

Crowd Safety Management ist der Schirmbegriff über beidem. Er bezeichnet die Disziplin selbst - im englischen Sprachraum als eigene akademische Ausbildung etabliert. Unser Geschäftsführer Martin Bardy hat Crowd Safety Management in England studiert. Crowd Safety Management umfasst sowohl die präventive Planung (Crowd Management) als auch die restriktiven Maßnahmen (Crowd Control), wobei die Disziplin dem Safety-Gedanken den Vorrang vor reinen Security-Maßnahmen einräumt.

In der Praxis hängt die Trennung zwischen Crowd Management und Crowd Control an einer Rollenfrage. Crowd Control wird in aller Regel vom Ordnerdienst (Security) vor Ort umgesetzt - von jenen Personen also, die Bereiche sperren, Wege umleiten oder Anweisungen durchgeben. Geplant werden diese Maßnahmen aber auf der Ebene des Crowd Managements: Eine vorab definierte Bereichssperre, sobald die maximale Personendichte erreicht ist, ist nichts anderes als eine Crowd Control Maßnahme - aber eine, die einer im Crowd Management Plan festgelegten räumlichen Planung (z. B. wie Abstrom bei aufrechter Sperre ermöglichen?) sowie Auslösekriterium folgt. Genau das meint Fruin mit „Crowd control may be part of a crowd management plan“.

Eine anschauliche Visualisierung dieser Trennung liefert der US-amerikanische Standard ANSI E1.40-2023: Crowd Management ist demnach kein einzelner Punkt, sondern ein Spektrum - von Aufgaben der Gästebetreuung am einen Ende bis hin zu Crowd Control am anderen Ende.

„Substantively, event security occupies a middle ground in the spectrum of crowd management activity between guest services and crowd control. … Crowd control occupies the far end of the crowd management spectrum.“

ANSI ES1.40-2023, Section 1.0. Event Safety - Event Security. ESTA/Event Safety Alliance.

Warum gutes Crowd Management überhaupt nötig ist

Die hartnäckigste Fehlannahme über Menschenmengen lautet, dass Menschen in der Masse die Kontrolle verlieren - dass „Massenpanik“ ausbricht und Tragödien deshalb passieren, weil Besucher:innen sich irrational verhalten. Diese Sicht ist in der modernen Crowd Science seit Jahrzehnten widerlegt. Sie hält sich trotzdem - auch in Teilen der Sicherheitsbranche sowie vor allem bei Medien.

Warum der Mythos der „Massenpanik” so hartnäckig ist

Der Begriff „Massenpanik“ hat ein gefährliches Eigenleben. Er taucht in fast jedem Medienbericht auf, wenn bei einer Veranstaltung etwas schief gelaufen ist - obwohl der Begriff das, was tatsächlich passiert, sprachlich grob daneben benennt. Das ist kein Zufall. Drei Mechanismen halten den Begriff am Leben.

Erstens entlastet er die Verantwortlichen. Wenn eine Menge „in Panik gerät“, ist die Tragödie das Ergebnis irrationaler Besucher:innen - nicht das Ergebnis einer schlechten Planung oder eines unzureichenden Crowd Managements. Drury (2011) formuliert es scharf: „To locate the cause of the tragedy in the inherent foolishness and selfishness of the crowd is to absolve oneself of responsibility.“

Zweitens passt das Bild der panischen Masse zur klassischen, im 19. Jahrhundert wurzelnden Theorie zu Menschenmengen - allen voran Gustave Le Bons „Psychologie der Massen“ (1895), die Menschen in Gruppen pauschal als gefährlich und irrational beschreibt. Diese Tradition ist sozialwissenschaftlich seit Jahrzehnten widerlegt (Reicher 1984, Drury 2011, Borch 2013, Barr et al. 2023). Sie hat sich aber in der Alltagssprache und in vielen Medienpublikationen festgesetzt.

Drittens fehlt im Deutschen ein eingängiger Alternativbegriff. „Crowd Crush“ beschreibt das physikalische Phänomen korrekt, ist aber kein etabliertes deutsches Wort. „Massenunglück“ ist neutral, sagt aber nichts über die Mechanik. „Gedränge“ trivialisiert. Solange kein deutscher Fachbegriff verfügbar ist, greifen Medien zur Notlösung „Massenpanik“ - und tradieren damit eine falsche Erklärung.

Im deutschsprachigen Raum adressieren Lara Künzer und Gesine Hofinger (BS-Magazin 2016, BBK) diese Tradition explizit aus psychologischer Sicht und plädieren für eine differenzierte Betrachtung von Besucher:innenverhalten in Krisensituationen.

Was tatsächlich in Crushes passiert

Crowd Crushes - also lebensgefährliche Verdichtungen in Menschenmengen - sind primär ein physikalisches Phänomen, kein psychologisches. Ab einer Dichte von ungefähr 4 Personen pro Quadratmeter beginnt die Bewegungsfreiheit zu schwinden. Ab 5 Personen pro Quadratmeter können Druckwellen durch die Menge wandern. Ab 7 Personen pro Quadratmeter verhält sich die Menge fast wie eine Flüssigkeit, in der einzelne Personen passiv mitgetragen werden.

„At occupancies of about 7 persons per square meter the crowd becomes almost a fluid mass. Shock waves can be propagated through the mass sufficient to lift people off of their feet and propel them distances of 3 m (10 ft) or more.“

Fruin (2002). The Causes and Prevention of Crowd Disasters.

Die Todesursache in einem Crowd Crush ist in den meisten Fällen traumatische Asphyxie: der Brustkorb kann sich gegen den umgebenden Druck nicht mehr ausdehnen, die Atmung kollabiert. Eine medizinische Studie zum Itaewon-Crush in Seoul am 29. Oktober 2022 hat die physikalischen Mechanismen detailliert dokumentiert (Chang et al. 2024). Sie hält fest, dass schon 2.550 Newton statischer Brustdruck - etwa 260 Kilogramm - ausreichen, um einen instabilen Brustkorb zu erzeugen. Beim Itaewon-Crush starben 159 Menschen, viele davon Frauen und Personen kleinerer Statur.

Was Menschen in Mengen tatsächlich machen

Die sozialpsychologische Forschung der letzten 40 Jahre hat ein anderes Bild gezeichnet als das landläufige Klischee. Menschen in Mengen verlieren ihre Identität nicht - sie wechseln von einer persönlichen zu einer sozialen Identität. Sie orientieren sich an geteilten Normen, suchen die Nähe von Familie und Freunden und koordinieren prosozial, selbst in Notlagen (Reicher 1984; Drury 2011; Drury & Reicher 2009).

„We gain little and lose a lot by use of the terms ‚mass panic’ and ‚stampede’ to describe mass fleeing behaviour. They obscure more than they reveal about collective psychology in stressful events. … To locate the cause of the tragedy in the inherent foolishness and selfishness of the crowd is to absolve oneself of responsibility.“

Drury, J. (2011). Collective resilience in mass emergencies and disasters.

Auch institutionell ist diese Position längst Konsens. Die National Fire Protection Association (USA) und der National Research Council Canada haben bereits 2009 festgehalten: „Panik”-Verhalten ist in Bränden ein extrem seltenes Ereignis. Was als „Panik” wahrgenommen wird, ist meist eine angemessene Reaktion auf eine reale Gefahr (Fahy, Proulx & Aiman 2009).

Eine Studie aus dem Jahr 2022 untersuchte die Bewegung von Menschen mit Behinderung in Crowds an Engstellen: Sie zeigt, dass die übrige Menge aktiv und prosozial koordiniert - Abstand hält, kommuniziert, Wege freigibt (Geoerg et al. 2022, Scientific Reports).

„Gutes Crowd Management beginnt mit der Annahme, dass Menschen nicht irrational sein werden. Es beginnt mit der Annahme, dass Menschen, basierend auf den Informationen, die ihnen zur Verfügung stehen, vernünftig agieren - und dass es die Aufgabe der Planung ist, ihnen eine Umgebung zu bauen, in der ihr vernünftiges Verhalten zu einem sicheren Veranstaltungsverlauf führt.“

Prof. (FH) Martin Bardy MA, BEd, BA, MBA

Wo Crowd Management im österreichischen Recht steht

Der Begriff Crowd Management taucht in keinem österreichischen Veranstaltungsgesetz wörtlich auf. Die einzelnen Bestandteile des Crowd Managements stehen aber sehr wohl in den Gesetzen - verteilt auf neun Landesgesetze, einige Veranstaltungsstätten-Verordnungen und die OIB-Richtlinie 4 als baurechtlicher Stand der Technik.

Wien - die explizitesten Crowd Management Bestandteile

Das Wiener Veranstaltungsgesetz verlangt in § 31 ab 5.000 gleichzeitig anwesenden Personen ein Sicherheitskonzept. Der Mindestinhalt nach § 31 Abs 2 ist ein direktes Crowd Management Pflichtenheft:

(…)

  • Z 4: Lenkung der Besucher:innenströme
  • Z 5: Zufahrts- und Zutrittskontrollen
  • Z 6: Personenzählsystem
  • Z 7: Schutzmaßnahmen zur Abwehr von Personenschäden
  • Z 8: Technische Maßnahmen zur Weitergabe von Informationen an die Besucher:innen

(…)

Die Ziffern 4, 5, 6 und 8 sind Lehrbuch-Crowd Management: Personenstromlenkung, Zugangsmanagement, Crowd Monitoring (Personenzählung) und Information/Kommunikation an die Menge. Das Wiener Gesetz schreibt sie nicht so an die Tafel - aber inhaltlich verlangt es genau das.

Die anderen Bundesländer

Die übrigen Bundesländer verankern Crowd Management weniger explizit. Die wichtigsten Stellen:

BundeslandRelevante Stellen zu Crowd Management
Wien§ 31 Abs 2 Wr. VG - Sicherheitskonzept-Pflicht ab 5.000 Anwesenden; Z 4 (Lenkung der Besucher:innenströme), Z 5 (Zufahrts- und Zutrittskontrollen), Z 6 (Personenzählsystem), Z 8 (Information an Besucher:innen)
Niederösterreich§ 5 Z 9 NÖ VAG - drei Konzepte: sicherheits-, brandschutz-, rettungstechnisches Konzept
Oberösterreich (VSVO)§ 2 Z 1 - max. 3 P/m² in Stehplatzbereichen
Salzburg (2026)§ 14 Abs 1 lit e S.VAG 2026 - Sicherheitskonzept-Pflicht ab 2.000 teilnehmenden Personen; Inhalt nicht abschließend definiert
Steiermark§ 4 Abs 1 Z 4 StVAG - bauliche und organisatorische Maßnahmen zur „Panikprävention“; § 3 Stmk-VSVO - max. 3 P/m² in Stehplatzbereichen, Zählsystem verpflichtend
Tirol§ 6a TVG - Sicherheitskonzept-Pflicht für Großveranstaltungen ab 1.500 Personen
Burgenlandkein wörtlicher CM- oder SK-Begriff; allgemeine Schutzpflicht (Bgld. VG)
Kärntenkein wörtlicher CM- oder SK-Begriff; allgemeine Schutzpflicht (K-VAG 2010)
Vorarlbergkein wörtlicher CM- oder SK-Begriff; allgemeine Schutzpflicht (Vbg. VG)

Tabelle 1: Crowd Management relevante Stellen in den österreichischen Veranstaltungsgesetzen (Stand 2026).

Wichtig: Auch in den Bundesländern ohne explizite Sicherheitskonzept-Pflicht gilt der Stand der Technik. Die OIB-Richtlinie 4 verlangt ein Sicherheitskonzept bei Versammlungsstätten ab 5.000 Besucher:innen, die ÖNORM EN 13200-8 (Zuschaueranlagen - Sicherheitsmanagement) empfiehlt es für jede Veranstaltung unabhängig von der Größe. Die meisten Veranstaltungsstätten-Verordnungen verweisen ausdrücklich auf technische Normen und Richtlinien als Quelle des Standes der Technik - damit werden ÖNORM und OIB-RL auch dort wirksam, wo das Veranstaltungsgesetz schweigt.

Stichwort „Panikprävention“ in der Steiermark

Das Steiermärkische Veranstaltungsgesetz verlangt in § 4 Abs 1 Z 4 wörtlich, dass Veranstalter:innen „durch bauliche und organisatorische Maßnahmen für eine Panikprävention zu sorgen“ haben. Aus fachlicher Sicht ist „Panik“ ein problematischer Begriff - die moderne Crowd Science benennt das, was bei einem kritischen Vorfall passiert, präziser als physikalische Verdichtung in Verbindung mit Kommunikations- und Informationsversagen. Praktisch deckt die Steiermärkische Formulierung trotzdem genau das ab, was Crowd Management leisten soll: vorausschauende räumliche Gestaltung und organisatorische Vorkehrungen, damit gefährliche Verdichtungen gar nicht erst entstehen.

Die zwei wichtigsten Modelle im Crowd Management

RAMP - Routes, Areas, Movement, Profile

Das RAMP-Modell wurde von Prof. G. Keith Still entwickelt und ist in seinem Standardwerk Introduction to Crowd Science (CRC Press, 2014) ausführlich beschrieben. Es strukturiert die Analyse einer Veranstaltung in vier Perspektiven:

  • Routes (Wege): Welche Wege nutzen die Besucher:innen? Zugänge, Zirkulationswege, Ausgänge.
  • Areas (Flächen): Welche Flächen stehen zur Verfügung - Stehplätze, Sitzplätze, Versorgungs- und Erholungsbereiche?
  • Movement (Bewegung): Wie bewegen sich Besucher:innen über die Veranstaltungsphasen - Anreise, Einlass, Aufenthalt, Abstrom?
  • Profile (Profil): Welches Profil hat das Publikum - Alter, Erfahrung, Erwartung, voraussichtliches Verhalten?

DIM-ICE - drei Gestaltungsebenen über drei Phasen

Ebenfalls von Still entwickelt, ergänzt das DIM-ICE-Modell die räumliche und zeitliche Strukturierung. Es kombiniert drei Gestaltungsebenen (Design, Information, Management) mit den drei Phasen einer Veranstaltung (Ingress, Circulation, Egress).

Der US-amerikanische Standard ANSI E1.9-2020 hat dieses Modell um eine vierte Dimension ergänzt - die Erwartungen der Besucher:innen - und führt es als DIME-ICE. ANSI versteht „Erwartungen“ dabei zweistufig: Aus Sicht der Menge prägen sie, was Menschen wahrnehmen und worauf sie reagieren - Confirmation Bias und Normalcy Bias sorgen dafür, dass Notfallsituationen oft erst spät erkannt werden, weil sich Besucher:innen aufs Erwartete eingestellt haben. Aus Sicht der Veranstalter:innen sind Erwartungen das, was sich über das Publikum vorhersehen lässt - Demografie, Verhalten, Erfahrung mit dem Format - und was deshalb in die Risikoplanung gehört. Beide Facetten zusammen machen Erwartungen zu einem mindestens so wichtigen Planungsfaktor wie Flussraten oder Personendichten.

Personendichte - die zentrale Kenngröße

Wenn Crowd Management eine zentrale Kenngröße hat, dann ist es die Personendichte: die Anzahl der Personen pro Quadratmeter in einem definierten Bereich. Sie bestimmt, ob sich Besucher:innen wohl fühlen, eingeschränkt sind oder in Gefahr geraten.

John J. Fruin hat in seinem 1971 erschienenen Werk Pedestrian Planning and Design sechs Service-Levels (A bis F) definiert, die für Fußgängerströme heute weltweit als Referenz dienen. Bei Service-Level A bewegen sich Personen frei und wählen ihre Geschwindigkeit ohne Beeinträchtigung. Bei Level F ist der Verkehr „on the verge of complete breakdown and stoppage“ - die Bewegung kommt zum Erliegen.

Für die Sicherheitsplanung relevant sind nicht nur die Service-Levels, sondern auch die kritischen Dichtegrenzen:

DichteWas passiertQuelle
ab ~3-4 P/m²Flussrate beginnt zu sinken, individuelle Bewegungsfreiheit nimmt abFruin (1971); Still (2014)
ab ~ 5 P/m²Wellen können sich durch die Menge ausbreiten („Crowd Quake“)Still (2014); Helbing & Mukerji (2012)
ab ~7 P/m²Menge verhält sich wie Flüssigkeit, Wellenbewegungen können Personen über mehrere Meter versetzenFruin (2002)

Tabelle 2: Kritische Personendichten nach der internationalen Fachliteratur.

In Österreich werden diese Werte durch konkrete Vorgaben in den Veranstaltungsgesetzen, Veranstaltungsstätten-Verordnungen und Bautechnik-Richtlinien flankiert. Das Wiener Veranstaltungsgesetz legt in § 22 für sonstige Stehplätze eine maximale Personendichte von 3 Personen pro Quadratmeter fest (für Sitzplätze in Reihen 2 P/m², für Sitzplätze an Tischen 1 P/m²). Die Oberösterreichische Veranstaltungsstättenverordnung enthält in § 2 Z 1 denselben 3-P/m²-Wert für Steh- und Sitzplatzbereiche. Die Steiermärkische Veranstaltungsstättenverordnung übernimmt in § 3 dieselbe Logik mit 3 P/m² für Stehplätze. Wo das jeweilige Landesgesetz schweigt, gilt der Stand der Technik: Die OIB-Richtlinie 4 (Ausgabe Mai 2023) setzt für Versammlungsstätten eine maximale Personendichte von 4 Personen pro Quadratmeter der für Besucher:innen verfügbaren Fläche an. Die ÖNORM EN 13200-1 empfiehlt in Abschnitt 6.1 für Stehplätze auf ebenen Flächen 3,5 Personen pro Quadratmeter (35 Zuschauer je 10 m²). Auf Stufen ohne Gänge darf der Wert 4,7 Personen pro Quadratmeter (47 je 10 m²) nicht überschritten werden.

International liegen die Praxis-Grenzwerte in einer ähnlichen Größenordnung. Der britische Event Safety Guide (HSG195) nennt für Open-Air-Musikveranstaltungen 0,5 m² pro Person (also 2 P/m²) - ein bewusst konservativer Praxiswert für lange Aufenthaltsdauern und unstrukturierte Außenflächen. Der Guide to Safety at Sports Grounds (Green Guide) erlaubt analog zur ÖNORM EN 13200-1 in Stehplatz-Bereichen von Stadien bis zu 4,7 P/m². Die jeweils zulässige Dichte hängt also stark von der Nutzungsart, der Aufenthaltsdauer und der Personenkategorie ab.

Wichtig: Diese Werte sind keine Konstanten. Eine Hajj-Studie von Alnabulsi und Drury (2014, veröffentlicht in den Proceedings of the National Academy of Sciences) zeigte, dass auch Dichten von 6 bis 8 Personen pro Quadratmeter sicher erlebt werden können, wenn die Menge über eine geteilte Identität verfügt, gut informiert ist und die räumliche Gestaltung stimmt. Dichte allein erklärt also nicht, ob es zu einer Tragödie kommt.

Drei Lehrbeispiele aus der internationalen Praxis

Hillsborough 1989 - wie Crowd Control Crowd Safety untergräbt

Am 15. April 1989 starben 97 Anhänger des Liverpool FC bei einem Halbfinale gegen Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion in Sheffield. Die Polizei hatte verspätet eintreffende Fans in einen bereits überfüllten Stehplatzbereich („pen“) geleitet. Personen, die später kamen und nach vorn drängten, wussten nicht, dass an der Frontseite des Pen Menschen erdrückt wurden (Taylor 1989, Interim Report). Der Fall ist heute eines der meistuntersuchten Beispiele für eine Tragödie in einer Menschenmenge und steht exemplarisch für die These, dass schlechte Crowd Control Maßnahmen Crowd Safety aktiv untergraben können.

Loveparade Duisburg 2010 - Crowd Quake als systemisches Versagen

Am 24. Juli 2010 starben bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen, 511 wurden verletzt. Eine ausführliche systemwissenschaftliche Analyse von Dirk Helbing und Pratik Mukerji (2012) kommt zu dem Schluss, dass nicht „törichtes oder unbedachtes Verhalten der Menschen“ oder eine psychologische Angstreaktion die Ursache war - sondern eine Kaskade ineinandergreifender Designfehler. Ein zu schmaler Zu- und Abgang, ungesteuerter Gegenverkehr und ein Auflauf-Effekt am Aufgang erzeugten Druckwellen („crowd quake“), denen sich die Anwesenden nicht entziehen konnten.

Itaewon Seoul 2022 - die jüngste große Tragödie

Am 29. Oktober 2022 versammelten sich über 100.000 Menschen für Halloween-Feiern in den engen Gassen des Itaewon-Viertels in Seoul. In einer schmalen, abschüssigen Gasse entstand eine Engstelle. 159 Menschen starben, 196 wurden verletzt. Eine medizinisch-physikalische Studie von Chang et al. (2024, Cureus) hält fest: Anrufe Stunden vor dem Crush, die auf die gefährliche Verdichtung hingewiesen hatten, blieben unbeantwortet. Die offizielle Schlussfolgerung der Untersuchung benennt Mängel im Crowd Control, in der Polizeiplanung und in den Fluchtwegen als ursächlich.

Was macht ein:e Crowdmanager:in?

Crowd Manager:in ist kein gesetzlich geschützter Begriff. In Österreich gibt es keine eigene Ausbildungs- oder Gewerbeordnung dafür. International orientiert sich die Funktion am US-amerikanischen NFPA Life Safety Code (NFPA 101), den der ANSI-Standard E1.9-2020 ausdrücklich übernimmt.

Auf der institutionellen Ebene wird die Disziplin von Branchenorganisationen getragen. Die United Kingdom Crowd Management Association (UKCMA) ist seit den frühen 2000er-Jahren der Berufsverband im Vereinigten Königreich. Sie hat Fruins Definitionen 1993 formal übernommen. Die Global Crowd Management Alliance (GCMA) ist die jüngere, weltweit aufgestellte Vereinigung - sie veranstaltet den jährlichen Global Crowd Management Congress, gibt das Fachmagazin „The Crowd“ heraus und veröffentlicht den „Field Guide to Crowds“ als Praxisleitfaden. Im deutschsprachigen Raum existiert bislang kein vergleichbarer Berufsverband.

Zur Erinnerung: Crowd Management ist nach Fruin die systematische Planung sowie Beobachtung und Steuerung geordneter Bewegungen und Ansammlungen von Menschen. Während die Planungsphase mit der Übergabe des fertigen Plans und den Briefings abgeschlossen ist, beziehen sich die folgenden Aufgaben des Crowd Managers vor allem auf die zweite Hälfte der Definition - die Beobachtung und Steuerung („supervision of“) vor Ort während der Veranstaltung.

Die Aufgaben eines Crowd Managers umfassen nach NFPA 101 und ANSI E1.9-2020 unter anderem:

  • Sicherheitsrisiken bei Veranstaltungen erkennen
  • Crowd Management Technik einsetzen (Beobachtung von Personendichten und Personenströmen, Information, etc.)
  • Notfälle melden und Maßnahmen koordinieren
  • Eventspezifische Schulungen nach Bedarf vorsehen

Für die operative Umsetzung vor Ort empfiehlt der britische Purple Guide (Kapitel 13.34) die aus dem Notfallmanagement etablierte Command-and-Control-Struktur: Gold (strategisch), Silver (taktisch), Bronze (operativ). Wichtig: Gold, Silver und Bronze bezeichnen Verantwortungsebenen innerhalb des Crowd Managements vor Ort - sie ordnen die operative Hierarchie eines Einsatzes, nicht die fachliche Trennung zwischen Crowd Safety Management, Crowd Management und Crowd Control.

In der DACH-Praxis hat sich Crowd Management bislang vor allem in zwei Bereichen institutionalisiert. Die Stadtpolizei Zürich betreibt eine eigene „Fachstelle Crowd Management“ und hat 2021 nationale Handlungsgrundsätze veröffentlicht - eine Reaktion auf die Loveparade Duisburg und das Züri Fäscht 2013 (Zemp 2021). Im wissenschaftlichen Bereich ist Crowd Safety Management in Großbritannien als eigenständige akademische Disziplin etabliert, in Österreich wird es bislang als Spezialisierung im Bereich Sicherheitsplanung gelehrt.

Was bedeutet das für Ihre Veranstaltung?

Aus dem zuvor Gesagten ergeben sich 5 praktische Konsequenzen für die Vorbereitung von Veranstaltungen mit hohem Publikumsaufkommen:

1. Crowd Management gehört vor die Veranstaltung - nicht erst an den Veranstaltungstag

Die wirksamsten Crowd Management Maßnahmen werden Monate vor der Veranstaltung geplant: Flächendimensionierung, Wegeführung, Einlasskonzept, Personalplanung, Kommunikationswege. Wenn erst am Veranstaltungstag auffällt, dass es eng wird, sind die wichtigsten Hebel bereits aus der Hand gegeben.

2. Personenzahlen sind messbar, nicht Gefühlssache

Bei der Planung gehört zu den Grundlagen, die Fassungsräume aller Teilbereiche zu kennen - und während der Veranstaltung zu wissen, wie viele Menschen tatsächlich anwesend sind. Das Wiener Veranstaltungsgesetz schreibt das in § 31 Abs 2 Z 6 (Personenzählsystem) ausdrücklich vor. Die Steiermärkische Veranstaltungsstättenverordnung verlangt dasselbe in § 3 Abs 3 mit einem konkret aufgelisteten Zählsystem (Drehkreuz mit Zählwerk, Lichtschranke, Zählkarte).

3. Kommunikation mit der Menge ist Teil des Konzepts

Eine Beschallungsanlage allein kann zu wenig sein. Information sollte visuell, akustisch und persönlich erfolgen können - über Beschilderung, Anzeige, Lautsprecherdurchsagen und geschultes Personal vor Ort. Menschen mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung brauchen redundante Informationswege. Und auch die Orte, an denen kommuniziert werden muss, sollten im Vorfeld identifiziert und mit den dafür notwendigen Ressourcen ausgestattet werden.

4. Crowd Control nur als geplantes letztes Mittel

Wenn Crowd Control nötig wird (Bereichssperrung, Umleitung, Notfall-Reaktion), sollte das im Plan vorgesehen sein - mit definierten Auslösekriterien, Verantwortlichkeiten und Umsetzungsschritten. Ungeplante Crowd Control Maßnahmen sind statistisch eher Auslöser von Vorfällen als deren Verhinderung (Fruin 2002).

5. Qualifikation zählt, nicht Berufsbezeichnung

Da Crowd Manager:in kein geschützter Begriff ist, kann sich grundsätzlich jede:r so nennen. Entscheidend für die Auswahl ist Fachwissen und Erfahrung.

Häufige Fragen zu Crowd Management

Was ist Crowd Management?

Crowd Management ist die systematische Planung sowie Beobachtung und Steuerung geordneter Bewegungen und Ansammlungen von Menschen (Fruin 1993/2002). Es umfasst weit mehr als die Lenkung von Personenströmen: die Dimensionierung der nutzbaren Flächen, die Berechnung von Fassungsraum und Personendichten, die Auslegung der Ein- und Auslasskapazitäten, die Wegeführung, die Kommunikation mit dem Publikum, die Personaldisposition des Ordnerdienstes, die Verzahnung mit der Notfallplanung und das Monitoring im laufenden Betrieb. Crowd Management findet vor und während der Veranstaltung statt - im Gegensatz zu Crowd Control, das eine restriktive Reaktion auf bereits eingetretene Problemsituationen ist.

Worin liegt der Unterschied zwischen Crowd Management und Crowd Control?

Crowd Management ist präventiv und planungsorientiert: Es sorgt durch Design, Information und organisatorische Maßnahmen dafür, dass kritische Situationen gar nicht erst entstehen. Crowd Control ist restriktiv und reaktiv: Es schränkt das Verhalten der Gruppe ein, üblicherweise dann, wenn das Crowd Management nicht ausreicht oder versagt hat. Crowd Control kann geplanter Teil eines Crowd Management Plans sein - etwa eine vorgesehene Sperre bei Vollauslastung - oder eine ungeplante Notfall-Reaktion.

Was ist Crowd Safety Management?

Crowd Safety Management ist die übergeordnete Disziplin, die Crowd Management und Crowd Control umfasst. Sie räumt der vorbeugenden Sicherheit (Safety) Vorrang vor reaktivem Eingreifen (Security) ein. Im englischsprachigen Raum ist Crowd Safety Management eine eigene akademische Disziplin.

Ist Crowd Management in Österreich gesetzlich geregelt?

Der Begriff selbst kommt in den österreichischen Veranstaltungsgesetzen nicht wörtlich vor. Die einzelnen Bestandteile des Crowd Managements sind aber in mehreren Landesgesetzen und Verordnungen verankert. Das Wiener Veranstaltungsgesetz verlangt in § 31 Abs 2 ausdrücklich die Lenkung der Besucher:innenströme, Zufahrts- und Zutrittskontrollen, ein Personenzählsystem und technische Maßnahmen zur Informationsweitergabe an Besucher:innen. In § 22 schreibt es zudem für sonstige Stehplätze eine maximale Dichte von 3 Personen pro Quadratmeter fest. Die OÖ-Veranstaltungsstättenverordnung (§ 2 Z 1) und die Steiermärkische Veranstaltungsstättenverordnung (§ 3) übernehmen diesen Wert, wobei die Steiermärkische Verordnung in § 3 Abs 3 zusätzlich ein konkretes Zählsystem verpflichtend vorschreibt. Wo das Landesgesetz schweigt, gilt der Stand der Technik: Die OIB-Richtlinie 4 setzt für Versammlungsstätten eine maximale Personendichte von 4 Personen pro Quadratmeter an, die ÖNORM EN 13200-1 empfiehlt für Stehplätze 3,5 Personen pro Quadratmeter (maximal 4,7 P/m² auf Stufen).

Ab welcher Veranstaltungsgröße brauche ich Crowd Management?

Crowd Management ist keine Funktion, die ab einer bestimmten Personenzahl dazukommt - es ist ein Planungsansatz, der eine Veranstaltung von der ersten Konzeptskizze an begleitet. Wenn erst am Veranstaltungstag auffällt, dass es „eng“ wird, sind die wichtigsten Hebel längst aus der Hand gegeben. Crowd Management beginnt mit der Risikobeurteilung - also bevor Geländeplan, Programmstruktur oder Personaleinsatzplan stehen. Es umfasst weit mehr als die Lenkung von Personenströmen: die Dimensionierung der nutzbaren Flächen, die Berechnung von Fassungsraum und Personendichten, die Auslegung der Ein- und Auslasskapazitäten, die Wegeführung und Beschilderung, die Kommunikation mit dem Publikum vor und während der Veranstaltung, die Personaldisposition des Ordnerdienstes, die Verzahnung mit der Notfallplanung und das Monitoring im laufenden Betrieb. All das gehört in einen schriftlich festgehaltenen Plan - entweder als eigenständiger Crowd Management Plan oder integriert in das Sicherheitskonzept. Die gesetzlichen Schwellen geben nur den Mindestmaßstab vor: Sicherheitskonzept-Pflicht ab 5.000 Personen in Wien, ab 2.000 in Salzburg, ab 1.500 in Tirol. Innerhalb dieser Pflichten sind Crowd Management Inhalte verbindlich (z. B. § 31 Abs 2 Wr. VG). Aber die Notwendigkeit für Crowd Management ergibt sich nicht aus der Personenzahl allein - auch eine Veranstaltung mit 800 Besucher:innen in einer engen innerstädtischen Gasse, mit konkurrierenden Programmpunkten oder mit einer besonderen Publikumszusammensetzung kann ein vollwertiges Crowd Management Konzept erfordern. Was zählt, ist die fachlich begründete Risikobeurteilung am Beginn der Planung.

Wie hoch darf die Personendichte sein?

Das hängt von der Art des Bereichs ab. In Österreich legen manche Veranstaltungsgesetze (und Verordnungen) konkrete Maximalwerte fest (z. B. Wien und Oberösterreich: 3 P/m² in Stehplatzbereichen). Ab 5 P/m² können Wellenbewegungen entstehen. Ab 7 P/m² verhält sich die Menge wie eine Flüssigkeit. Welcher Wert für Ihre Veranstaltung gilt, ergibt sich aus der konkreten Risikobeurteilung und den geltenden Vorschriften.

Stimmt es, dass es bei Tragödien in Menschenmengen zu „Massenpanik” kommt?

Nein. Die moderne Crowd Science hat den Begriff „Massenpanik” als Erklärung für solche Tragödien seit Jahrzehnten verworfen. Was tatsächlich passiert, ist meist ein physikalisches Phänomen - ein Crowd Crush, ausgelöst durch zu hohe Dichte und Kommunikationsversagen. Untersuchungen zu Hillsborough, Loveparade und Itaewon zeigen einheitlich: Die Anwesenden verhielten sich nicht irrational. Sie konnten sich der Verdichtung physikalisch nicht entziehen (d. h. sie konnten den Bereich einfach nicht mehr verlassen, da zu wenig Platz zum Verlassen vorhanden war).

Was kann ich machen, wenn ich in einem Crowd Crush stecke?

Drei Hinweise aus der medizinisch-physikalischen Literatur: Erstens - bleiben Sie auf den Füßen. Wer fällt, kann oft nicht mehr aufstehen (weil andere auf Sie drauffallen). Zweitens - halten Sie die Arme schützend vor den Brustkorb, um Atemraum zu schaffen. Drittens - bewegen Sie sich mit der Menge, nicht gegen sie. Nutzen Sie Bewegungswellen, um seitlich aus der dichtesten Zone herauszukommen. Wichtig: Diese Hinweise ersetzen keine fachliche Planung. Es ist die Aufgabe der Veranstalter:innen, dass es gar nicht erst zu solchen Situationen kommt.

Wer kann einen Crowd Management Plan erstellen?

Crowd Manager:in ist in Österreich kein geschützter Begriff. Ein guter Crowd Management Plan setzt fundierte Kenntnisse in Risikobeurteilung, RAMP, DIME-ICE und einschlägigen Normen (ÖNORM EN 13200, OIB-Richtlinie 4) voraus. In der Praxis erstellen ihn entweder spezialisierte Fachplaner:innen oder er ist Teil des Sicherheitskonzepts, das von qualifizierten Personen erstellt wird (bzw. werden sollte).

Weiterführend

ÖNORMEN

  • ÖNORM EN 13200-Reihe. Zuschaueranlagen - diverse Teile (Layout, Ein-/Ausgänge, Sicherheitsmanagement, Personenströme).
  • ÖNORM S 2304 (2011). Integriertes Katastrophenmanagement - Benennungen und Definitionen.
  • ÖNORM B 1600 (2023). Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen.

Baurechtliche Richtlinien

  • OIB-Richtlinie 4 (Mai 2023). Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit. Österreichisches Institut für Bautechnik.

Veranstaltungsgesetze und -verordnungen

  • Wiener Veranstaltungsgesetz (Wr. VG), aktuelle Fassung - insbesondere § 31 Abs 2.
  • Niederösterreichisches Veranstaltungsgesetz (NÖ VAG) - § 5 Z 9.
  • Salzburger Veranstaltungsgesetz 2026 (S.VAG 2026) - § 14 Abs 1 lit e.
  • Tiroler Veranstaltungsgesetz (TVG) - § 6a.
  • Steiermärkisches Veranstaltungsgesetz 2012 (StVAG) - § 4 Abs 1 Z 4.
  • Oberösterreichische Veranstaltungsstättenverordnung (OÖ-VSVO) - § 2 Z 1.
  • Steiermärkische Veranstaltungsstättenverordnung (Stmk-VSVO).

Internationale Standards und Guidance

  • ANSI/ESTA E1.9-2020. Event Safety - Crowd Management. ESTA/Event Safety Alliance.
  • ANSI/ESTA E1.40-2023. Event Safety - Event Security. ESTA/Event Safety Alliance.
  • Cabinet Office (2009). Understanding Crowd Behaviours: Guidance and Lessons Identified. Challenger, R., Clegg, C. W. & Robinson, M. A. (Leeds University Business School / Emergency Planning College).
  • The Purple Guide to Health, Safety and Welfare at Music and Other Events. The Events Industry Forum. Insbesondere Kapitel 13 - Crowd Management.
  • Sports Grounds Safety Authority (UK). Guide to Safety at Sports Grounds (Green Guide), 2018 edition.
  • HSE (1999). HSG195 The Event Safety Guide. UK Health and Safety Executive.
  • NFPA 101 - Life Safety Code®. National Fire Protection Association.

Fachliteratur - Begriffe und Modelle

  • Fruin, J. J. (1971). Pedestrian Planning and Design. Metropolitan Association of Urban Designers and Environmental Planners, New York.
  • Fruin, J. J. (1993/2002). The Causes and Prevention of Crowd Disasters. In: Smith, R. A. & Dickie, J. F. (Eds.) Engineering for Crowd Safety, Elsevier (1993). Revidiert für crowdsafe.com (2002).
  • Le Bon, G. (1895). Psychologie der Massen [Psychologie des foules]. - Im Blog nur als kritisierte historische Position genannt.
  • Still, G. K. (2014). Introduction to Crowd Science. CRC Press.

Forschung - Crowd Dynamics und Crowd Psychology

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  • Barr, D., Drury, J., Butler, T., Choudhury, S. & Neville, F. (2023). Beyond „stampedes“: Towards a new psychology of crowd crush disasters. British Journal of Social Psychology.
  • Borch, C. (2013). Crowd theory and the management of crowds: A controversial relationship. Current Sociology 61(5-6), 584-601.
  • Chang, A. H., Wang, S.-J., Anandjiwala, A. & Hsu, E. B. (2024). A Crowd Disaster Study: The Itaewon Seoul Crush. Cureus 16(9): e68811.
  • Drury, J. (2011). Collective resilience in mass emergencies and disasters.
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  • Fahy, R. F., Proulx, G. & Aiman, L. (2009). Panic and Human Behaviour in Fire. Proceedings of the 4th International Symposium on Human Behaviour in Fire, Cambridge.
  • Geoerg, P., Schumann, J., Boltes, M. & Kinateder, M. (2022). How people with disabilities influence crowd dynamics of pedestrian movement through bottlenecks. Scientific Reports 12, 18142.
  • Helbing, D. & Mukerji, P. (2012). Crowd Disasters as Systemic Failures: Analysis of the Love Parade Disaster. arXiv:1206.5856v1.
  • Moussaïd, M., Helbing, D. & Theraulaz, G. (2011). How simple rules determine pedestrian behavior and crowd disasters. PNAS 108(17), 6884-6888.
  • Reicher, S. D. (1984). The St Pauls riot: An explanation of the limits of crowd action in terms of a social identity model. European Journal of Social Psychology 14, 1-21.
  • Sime, J. D. (1999). Crowd facilities, management and communications in disasters. Facilities 17(9/10), 313-324.
  • Taylor, Lord Justice (1989). The Hillsborough Stadium Disaster, 15 April 1989: Interim Report. HMSO.

Deutschsprachige Quellen

  • Künzer, L. & Hofinger, G. (2016). Besuchersicherheit aus psychologischer Sicht. BS-Magazin 4/2016. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
  • Zemp, A. (2021). Empfehlung von Handlungsgrundsätzen für die Planung von Grossveranstaltungen im öffentlichen Raum. Version 3.2. Nationales Fachgremium Crowd Management NFCM der KKPKS / Stadtpolizei Zürich, Fachstelle Crowd Management.

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Über den Autor

Prof. (FH) Martin Bardy, MA, BEd, BA, MBA. Geschäftsführer der siflux GmbH und Fachplaner für Veranstaltungssicherheit. Erster Österreicher mit einem Studium in Crowd Safety Management an der Buckinghamshire New University in England (First Class Honours). Sicherheitsfachkraft gemäß SFK-VO. Lehrt seit 2014 an Universitäten und Fachhochschulen. Unter seiner Leitung wurde siflux viermal mit dem Austrian Event Award in der Kategorie Beste Eventsicherheit ausgezeichnet (2020, 2021, 2022, 2025).

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