Was ist Crowd Management?

By Martin Bardy

Februar 22, 2019


Unter Crowd Management versteht man „die systematische Planung für, und Überwachung von, geordneten Bewegungen und Ansammlungen von Menschen“. Im Prinzip ist Crowd Management Bestandteil des Risikomanagements und sollte Bestandteil jedes Sicherheitskonzeptes sein.

Crowd Management funktioniert unabhängig von der Veranstaltungsart für jede Personenansammlung, sei es nun ein Stadtfest, Weihnachtsmarkt, Musikfestival, Konzert, Clubbing, Ball, Theater, eine Firmenfeier, Messe, Opernaufführung, Sportveranstaltung, Silvesterfeierlichkeit oder Autogrammstunde. Durch den präventiven Ansatz (im Gegensatz zu Crowd Control – Security) können Menschenmengen unterstützt und hohe (sowie gefährliche) Personendichten im Vorfeld vermieden werden.

Warum beinhaltet Crowd Management?

Als Crowd ManagerIn befasst man sich u.A. mit den vier Hauptbereichen

  • Flächennutzung statisch / dynamisch,
  • Crowd Profil,
  • Kommunikationsstrukturen und -möglichkeiten und
  • Management

Flächenplanung

Eine adäquate Planung der Veranstaltungsflächen ist für das Wohlbefinden und die Sicherheit der Veranstaltungsgäste elementar. Veranstaltungsgäste nutzen die zur Verfügung stehenden Flächen in unterschiedlichsten Formen. Diese unterschiedliche Nutzung bedarf einer unterschiedlichen Planung. Die Vorgehensweise erfolgt von Innen (Nutzung) nach Außen (Planung). Für erste Einschätzungen werden quantitative Daten aus Veranstaltungsgesetzen bzw. – verordnungen und Normen genutzt und  diese mit weiteren Faktoren abgestimmt (siehe Crowd Profil). Im Zuge der Flächenplanung wird zwischen statischer und dynamischer Flächen unterschieden.

Statische Flächen

Statische Flächen sind Bereiche, in denen BesucherInnen verweilen. Das können Areale vor Bühnen, Essensbereiche oder auch Warteschlangen vor Toiletten und Verkaufsständen, etc. sein. Ein maßgebliches Sicherheitsmerkmal für statische Flächen ist die Dichte an Personen je Quadratmeter. Diese ist oftmals in Gesetzen oder Normen geregelt. Zu beachten gilt jedoch, dass sich BesucherInnen nicht lehrbuchartig gleichmäßig auf dem Veranstaltungsgelände verteilen weshalb weitere Analysen hinsichtlich der Fläche(n) notwendig. Welche Areale sind betroffen? Wann treten eventuell zu hohe Dichten auf? Begeben sich Ihre BesucherInnen freiwillig in diese Dichte? Wie lange halten sie sich darin auf? etc. etc.

Dynamische Flächen

Dynamische Flächen sind Bewegungsflächen. Das sind z.B. die Zugänge zur Veranstaltung, Gehwege, Wege innerhalb der Veranstaltungsfläche, Fluchtwege, etc. Es gilt die dynamischen Flächen auf Basis der Kapazitäten und der Nutzung zu beurteilen: Welche Wege werden werden wie häufig frequentiert? Ergeben sich unidirektionale (in eine Richtung gehend) oder bidirektionale (gegenläufige) Personenströme? Welche  Parameter können sich negativ auf den Personenstrom auswirken? Beeinflussen statische Areale eventuell die dynamischen? Einfache Settings können mit einem Handrechenverfahren berechnet werden. Für komplexe Gesamtzusammenhänge werden oftmals Computersimulationen genutzt.

Veranstaltungsphasen

Risiken aus Personenströmen und -dichten sind dynamischer Natur die sich im Laufe einer Veranstaltung sowohl zeitlich als auch räumlich ändern. Es müssen die jeweiligen Spezifika hinsichtlich der Phasen Anreise, Einlass, Teilnahme, Abstrom und Abreise beachtet werden.

Crowd Profil

Wer Crowd Management machen möchte muss sich mit dem Publikum beschäftigen. Was sind deren Ziele? Wie können diese unterstützt werden? Wo kann es geschehen, dass durch den Versuch der Zielerreichung eine Gefährdung auftritt?

Im Zuge des BesucherInnenanalyse (Crowd Profil) werden die verschiedensten Faktoren ermittelt um hiervon das zu erwartende Verhalten abzuleiten. Die diesbezügliche Einteilung ist von vielen Faktoren (z.B. Veranstaltungsart, demografische Daten, soziales Verhalten, mögliche Interaktionen, Ziele, Erwartungen, Verhalten auftretender KünstlerInnen, etc.) abhängig. All diese Informationen fließen sodann in die zeitliche und räumliche Veranstaltungsplanung ein.

Kommunikationsstrukturen und -möglichkeiten

Veranstaltungen sind soziale Gebilde und können wesentlich durch Information und Kommunikation gesteuert werden. Eine gute Kommunikation mit VeranstaltungsteilnehmerInnen vor, während und nach der Veranstaltung ist ein wesentlicher Aspekt von gutem Crowd Management. Gut informierte BesucherInnen finden sich besser zurecht, sind weniger frustriert und lassen sich besser (an)leiten als uninformierte BesucherInnen. Die bereitzustellenden Informationen sind hinsichtlich Ihres Zweckes und ihrer Art zu unterscheiden (z.B. Informationen für den Normalbetrieb vs. für den Notfall). Darüber hinaus sind die internen Kommunikationsstrukturen, Entscheidungsprozesse, -befugnisse, Verantwortlichkeiten und Handlungsabfolgen zu beachten.

Management

Wenn nun die verschiedensten Phasen, Hotspots, etc. analysiert und bewertet wurden gilt es diesen präventiv zu begegnen. Das können technische, infrastrukturelle, organisatorische oder personelle Maßnahmen sein. In diesem Zusammenhang werden aus der Kombination von Crowd Profil, Flächenplanung, Information und Szenariobildung die benötigten Planungen und Ressourcen ermittelt. Die jeweiligen Bereiche werden hierbei interdisziplinär betrachtet da sich diese wechselseitig beeinflussen. 


Über den Autor

Martin Bardy MA, BEd, BA, MBA ist Crowd Management und Sicherheitsexperte. Er graduierte unter Anderem in "Crowd Safety Management" an der Buckinghamshire University (UK) mit der höchsten Auszeichnung als Jahrgangsbester und "Sport- und Eventmanagement". Er ist Berater für Crowd Management, Sicherheitskonzeption, Notfallplanung und Personenstromsimulationen. Zu seinen KundInnen zählen VeranstalterInnen (Musikfestivals, Sport-, Konzert-, Brauchtumsveranstaltungen, etc.), Veranstaltungsstätten (Locations, Venues, Theater, etc.), ArchitektInnen (Beratung im Zuge des Baus von Veranstaltungsstätten) und Einkaufszentren. Er hat bisherig das Sicherheitsmanagement von Projekten in der Größenordnung von 500 bis 400.000 BesucherInnen erfolgreich konzipiert, geplant und umgesetzt. Er lehrt seit 2014 an verschiedenen Universitäten, Fachhochschulen und privaten Bildungseinrichtungen zu den Themen Veranstaltungssicherheit und Crowd Management.

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