Veranstaltungssicherheit kostet Geld – Unsicherheit kann noch viel teurer kommen

  • Home
  • /
  • siflux Blog
  • /
  • Veranstaltungssicherheit kostet Geld – Unsicherheit kann noch viel teurer kommen

Die Sicherheit von VeranstaltungsbesucherInnen kostet Geld. Sei es nun für die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes oder der Umsetzung von Maßnahmen vor Ort. Ziel dieser Tätigkeiten ist es, die Sicherheit zu erhöhen oder anders gesagt: die Verletzungsgefahr von BesucherInnen zu reduzieren. Dies erfolgt zum einem aus ethischer Verantwortung, zum anderen aus Eigenschutz. Jeder Personenschaden bei einer Veranstaltung kann für den/die VeranstalterIn zu hohen Schadenersatz- und/oder Schmerzengeldzahlungen führen.


Wann VeranstalterInnen haften

Als VeranstalterIn haben Sie, abgesehen von der ethischen Verpflichtung, auch eine gesetzliche Verpflichtung, sich um die Sicherheit Ihrer BesucherInnen zu kümmern (Schutzpflichten). D.h. Sie müssen angemessene Vorkehrungen zum Schutz all jener Personen treffen, deren Rechtsgüter durch Ihre Veranstaltung verletzt werden können. Hierbei müssen Sie nicht jede erdenkliche Gefahr für Leben und Gesundheit berücksichtigen, jedoch jene konkrete Gefahren, die tatsächlich auf ein zumutbares Ausmaß reduziert werden können.


Ebenso ist in diesem Zusammenhang auf die Dokumentation der Maßnahmen zu achten. Es besteht zwar prinzipiell keine Dokumentationspflicht, je konkreter Sie jedoch nachweisen können, dass Sie alles Zumutbare unternommen haben um vorhersehbare Gefahrenquellen zu beseitigen, desto eher wird es Ihnen gelingen, eine Haftung zu vermeiden. Aus diesem Grunde ist auf eine detaillierte und nachvollziehbare Risikobeurteilung sowie -bewältigung und Darstellung der Maßnahmen im Zuge der Erstellung des Sicherheitskonzeptes zu achten.


Die alleinige Einhaltung von Veranstaltungsgesetzen, -verordnungen, Bewilligungen und Auflagen befreit Sie übrigens nicht von Haftungen. Diese stellen lediglich das anzuwendende Mindestmaß an Sorgfalt dar.


Was Personenschäden kosten

Wenn ein Personenschaden bei Ihrer Veranstaltung eintritt müssen Sie, sofern Sie die gebotene Sorgfalt (siehe oben) außer Acht gelassen haben, die geschädigte Person so stellen, wie diese/r ohne das schädigende Ereignis stehen würde. § 1325 ABGB besagt

Wer jemanden an seinem Körper verletzt, bestreitet die Heilungskosten des Verletzten; ersetzet ihm den entgangenen, oder wenn der Beschädigte zum Erwerb unfähig wird, auch den künftig entgehenden Verdienst und bezahlt ihm auf Verlangen überdies ein den erhobenen Umständen angemessenes Schmerzengeld“.


Heilungskosten und Verdienstentgang sind individuell zu bemessen und können daher an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Die Höhe des Schmerzengeldes wird in Österreich in der Regel in Tagessätzen bemessen. Für eine grobe Orientierung können die folgenden Beträge herangezogen werden:

  • leichte Schmerzen: € 100 – 110 pro Tag 
  • mittlere Schmerzen: € 200 – 220 pro Tag
  • schwere Schmerzen: € 300 – 330 pro Tag

Diese Beträge erlauben eine erste grobe Orientierung, welche Höhe an Schmerzengeld zu erwarten ist. Zur besseren Einschätzung werden untenstehend vergangene Schmerzengeldbemessungen in Österreich dargestellt. Dies erlaubt eine grobe Zuordnung von Verletzungsausmaß und dem jeweilig zugesprochenem Schmerzengeld.*


*Die dargestellten Beträge sind nicht in inflationsbereinigt und können daher heute entsprechend höher ausfallen. So hat z.B. der Oberste Gerichtshof im Jahr 2011 das bisherig höchste zugesprochene Schmerzengeld, basierend auf dem Verbraucherpreisindex, von € 218.000 auf € 266.000 erhöht (3 Ob 128/11 m).

  • Brustkorbprellung: € 100 – € 799
  • Rissquetschwunden im Gesicht, Hautabschürfungen: € 654
  • Verlust eines Zahnes und Verletzung im Bereich der Lippe: € 1.700
  • Bruch des Brustbeines, leichte Zerrung der Halswirbelsäule: € 3.500
  • Schmerzhafte Augenverletzung, beidseitiger Tinnitus: € 4.000,-
  • Prellungen von Schädel, Hals und Schulter: € 4.070
  • Bruch zweier Rippen und Schürfwunden: € 4.500
    Bruch des Außenknöchels: € 7.800 Schienbeinimpressionsbruch: € 9.738
  • Kniegelenksverletzung: € 14.000
  • Bruch des Schulterblattes, chronische Beschwerden an Ellbogengelenk infolge der Prellungs- oder Stauchungsverletzungen: € 14.600
  • Offener Unterschenkelbruch, Oberschenkelbruch: € 26.889
  • Trauma des rechten Beins mit Brüchen und Kniegelenksverletzung: € 38.000

Aus der Betrachtung der obigen Zahlen kann schlussgefolgert werden, dass, bei Eintreten eines Personenschadens, empfindliche Zahlungen möglich sind. Darüber hinaus ist zu beachten, dass sich obige Beträge auf eine Person beziehen. Im Zuge einer Veranstaltung betrifft eine Gefahr jedoch üblicherweise eine Vielzahl an Personen. Das heißt die oben dargestellten Beträge können sich noch vervielfachen.

 

Untenstehend eine (sehr kurze) Aufistung an vergangenen Eventtragödien mit einer Vielzahl an verletzten und leider getöteten Personen:

  • Hillsborough (UK): 94 getötete und 766 verletzte Personen
  • Innsbruck (A): 5 getötete und 5 verletzte Personen
    Duisburg (D): 21 getötete und 541 verletzte Personen
  • Shanghai (CN): 36 getötete und mehr als 40 verletzte Personen
  • Lorne (AUS): 80 verletzte Personen
  • Turin (ITA): 1 getötete und 1.526 (!) verletze Personen


Für die Darstellung der möglichen Höhe an Schadenersatzverpflichtungen sei an dieser Stelle exemplarisch das Veranstaltungsunglück in Innsbruck mit 5 getöteten und 5 verletzten Personen herangezogen. In diesem Fall wurden insgesamt € 10.833.619,88 an Schadenersatzzahlungen geleistet (OGH, 2006).


Zusammenfassung

Personenschäden bei Veranstaltungen können empfindliche Schadenersatzzahlungen für VeranstalterInnen nach sich ziehen. Um einer eventuellen Haftung zu entgehen sollten VeranstalterInnen angemessene Schutzvorkehrungen treffen und diese dokumentieren. Ein hierfür geeignetes Dokument ist das individuell erstellte Sicherheitskonzept (und die Umsetzung der darin beschriebenen Maßnahmen).

Martin Bardy ist Experte für Sicherheit bei Veranstaltungen. Sicherheitskonzept. Crowd Management. Räumungskonzept

Über den Autor

Martin Bardy MA, BEd, BA, MBA ist Geschäftsführer von siflux - Crowd Safety Management. Er arbeitet tagtäglich für die Sicherheit bei Veranstaltungen. Seine Spezialgebiete sind das Verfassen von Sicherheitskonzepte, Räumungskonzepte, Notfallpläne und Crowd Management Pläne.


2020 und 2021 gewann er den Austrian Event Award für das jeweils beste Sicherheitskonzept.


Er betreut Veranstaltungen in der Größenordnung von 150 bis 200.000 Personen in den unterschiedlichsten Eventbereichen (Musikfestivals, Brauchtumsveranstaltungen, Firmenveranstaltungen, Kongresse, Sportveranstaltungen, etc.).


Er ist externer Lektor an Fachhochschulen und Universitäten zu den Themen "Sicherheit bei Veranstaltungen" und "Crowd Management".


Martin Bardy studierte Crowd Safety Management an der Buckinghamshire University in der Nähe von London. Er graduierte mit der höchsten Auszeichnung "First-class honours" als Jahrgangsbester. Weitere Studien ("Sport- und Eventmanagement", "Wirtschafts- und Organisationspsychologie") runden sein Profil ab.

Entdecken Sie weitere Beiträge:

COVID-19 Präventionskonzept – Vorlage für Ihre Veranstaltung
Austrian Event Award 2021 – Wir haben (wieder) gewonnen!
Was ist Crowd Management?
Austrian Event Award 2020 – Wir haben gewonnen!
Ein beachtenswerter Punkt der 6. COVID-LV-Novelle
COVID-19: Wie groß ist der Flächenbedarf bei 1 Meter Abstand?
>